Paul Gaus-Hegner, Möslistrasse 12, 8303 Bassersdorf - 079 792 56 11 - 044 836 65 64 - paul.gaus@bluewin.ch

TAGEBUCH

5.1.2010:
Herzlich alles Gute fürs 2010

Dies wünsche ich auch auf diesem Weg allen Freunden, Verwandten, Bekannten, Kundinnen und Kunden. Dass zum Guten auch immer wieder ein Glas "Lägernwein" gehört, wünsche ich auch für mich...
Die Weine des Jahrgangs 2009 haben sich sehr gut entwickelt und wirken teilweise schon erstaunlich reif! Der letzte "Neue", den ich in kleiner Menge werden anbieten können, darf deshalb vielleicht schon in der zweiten Jahreshälfte 2010 probiert und auch getrunken werden. Der ebenfalls 2005 gepflanzte "Kerner" wird, da im ersten Jahrgang 2008 bald ausgetrunken, ebenfalls noch in diesem Jahr abgefüllt. Beide Weine bestechen durch viel Struktur und Kraft! Im Genuss eilt es sonst nicht sonderlich mit dem neuesten Jahrgang. Die 2007er werden dieses Jahr mehrheitlich ihre volle Trinkreife, bei den Roten die 2006er ihr bestes Alter erreichen.
Ich freue mich darauf, mit vielen Bekannten und neuen Personen 2010 auch im Weingenuss verbunden sein zu können.

7.11.2009:
Das Rebjahr 2009

Es war im Otelfinger Rebberg nicht anders als in den Zürcher Rebbergen landauf und landab: Ein denkwürdiges Rebjahr! Der sonnige und trockene Herbst hat die Trauben süsser und süsser ausreifen lassen. Das Laub war dank nassem Sommer lange grün und produzierte Zucker, die Trauben blieben gesund, Vögel stärkten sich offenbar mehr in Obst- oder sonstigen Anlagen. Das Ergebnis: Erträge so hoch wie 2008, dazu Mostgewichte nahe am Rekordsommer 2003. Cabernet Dorsa konnten wir mit 99 Grad Oechsle ernten, Kerner mit 101 Grad, Pinot noir mit 104 Grad Oechsle! Der Weinjahrgang 2009 verspricht viel!

17.8.2009:
Trinkreife und Lagerfähigkeit des "Lägernweins"

Nach Traubenernte und Weinbereitung fülle ich die Weine im darauf folgenden Frühsommer und Sommer in Flaschen. Einen bis zwei Monate Flaschenlagerung dazugerechnet, sind die Weine ein Jahr nach der Ernte konsumfertig, die 2008er Weine also etwa ab Herbst 2009.
Weissweine sind dann auch schon in der Trinkreife, die sich über ungefähr drei Jahre erstreckt. So kann ich zum Beispiel den Rivaner 2006, abgefüllt 2007, guten Gewissens bis 2010 zum Genuss empfehlen. Danach fangen sich eventuell leichte Alterungstöne bemerkbar zu machen, der Wein kann deshalb aber ohne weiteres noch getrunken werden (manchmal erscheint er sogar besonders interessant dadurch).
Die Rotweine profitieren hingegen durchaus noch von einer etwas längeren Flaschenreifung, so dass ich deren ideale Trinkreife auf etwa zwei bis fünf Jahre nach Produktion festsetzen würde. Eine der letzten kleinen Flaschen des 2004er Pinot noirs hat mir im Sommer 2009 noch sehr geschmeckt, und die beiden letzten Flaschen werde ich mir noch bis ins Jahr 2010 und 2011 aufsparen.

17.8.2009:
Rebberg Otelfingen

Der Sommer 2009 war sehr wüchsig... Die Temperatur lag im Juli ein Grad über dem langjährigen Mittel, dazu kamen gut 200 mm Regen! Dadurch war im Rebberg viel zu tun: Rebschosse und Begrünung mussten immer wieder zurückgeschnitten, der Pflanzenschutz durfte nicht vernachlässigt werden. Ab Mitte August werden keine Behandlungen mehr durchgeführt, und natürlich zeigen sich jetzt auch Befallsherde des Falschen (weniger des Echten) Mehltaus.
Der Behang mit Trauben ist reichlich, Mitte August beginnt die Reifephase. Bei den blauen Trauben hat der Farbumschlag eingesetzt, die Trauben werden jetzt weich und beginnen Zucker einzulagern. Wie der Weinjahrgang wird, entscheidet sich letztlich allerdings erst im September und Oktober.

15.6.2009:
Rebberg Otelfingen

In den ersten Junitagen, zwei Wochen früher als gewöhnlich, begannen die Gescheine im Rebberg zu blühen. Nach Abschluss der Blüte beginnen die Traubenbeeren zu wachsen, werden schwerer und wechseln allmählich von der stehenden in die hängende Position.
Jetzt wird die Traubenzone ausgelaubt: "Geiztriebe" (Nebentriebe aus der Blattspreite) und Hauptblätter, welche die jungen Trauben stark bedecken, werden entfernt. Teilweise werden bald schon die Spitzen der jungen Trauben weggeschnitten (man spricht von "Traubenhalbierung), um die Trauben weniger schwer und lockerbeeriger zu erhalten.
Die Schosse wachsen an den Triebspitzen bis zu zehn Zentimetern pro Tag. Die längsten Schosse haben die obersten Drähte erreicht und müssen dort zwischen die Drähte geflochten und mit Klammern geheftet werden. Durch das Wachsen der Geiztriebe in den Blattspreiten wird die Laubwand stetig breiter, so dass sie im Lauf des Sommers mehrmals zurückgeschnitten werden muss. Auch die Spitzen der Haupttriebe werden über den obersten Drähten abgeschnitten - eine Arbeit, bei der man für jeden Zentimeter zusätzlicher Körperlänge dankbar ist...
Und dann ist der frühe Sommer die hohe Zeit des Pflanzenschutzes. Die Sporen des Falschen Mehltaus sind so virulent, dass man vorbeugend behandeln und die ersten Ansteckungen so lange wie möglich vermeiden muss. Aeltere Blätter und reifende Traubenbeeren werden später kaum mehr befallen, die Krankheit setzt sich gegen den Herbst dann "nur" noch im nachwachsenden jungen Laub fest.

23.12.2008:
Weinjahrgang 2008

2008 war ein erneut sehr guter Weinjahrgang. Qualitativ reicht er nahe an den 2007er heran, mengenmässig übertrifft er diesen sogar. Die Phase des Ausbaus und der Reifung der Weine dauert mit abnehmender Arbeitsintensität bis in den Sommer. Ende April haben wir die ersten 2008-er Weine abgefüllt (Rivaner, Federweiss und Kerner, total 1000 Flaschen). Die roten Weine brauchen etwas mehr Zeit zum Reifen, dazu sind sie in den Weintanks und -fässern bei den gleichmässigen Temperaturen im Weinkeller am besten aufgehoben.